StartseiteNoëdoWas ist „Noëdo“?

Noëdo ist eine Art „moderner Religion“. Wie eine Religion enthält der Übungs- und Entwicklungsweg „Noëdo“ Techniken und Übungen der Seelsorge. Wie eine Religion bietet es Erklärungsmodelle für das Sein in dieser Welt. Und wie eine Religion bringt es Menschen zusammen, die gemeinsame Werte haben und gemeinsam feiern wollen, gemeinsame Tröstung, gemeinsame Rituale. Okay, „ist“ klingt etwas euphemistisch, es soll so gemäß meiner Vision in naher Zukunft sein und weiter werden.

Gern wäre ich ein Religionsstifter einer neuen Art von Religion, aber ich sollte nicht vermessen und überheblich sein. Aber ich sehe den Bedarf in dieser Welt. Und ich sehe auch schon Bewegungen oder Gruppierungen wie die von Ken Wilber, die bereits in die Richtung gehen. Und in gewisser Weise bin ich Teil der von Osho gestarteten Bewegung der Neo-Sannyasins und fühle mich ihm nach wie vor verbunden und verpflichtet. Und weiß, dass er „auch aus dem Jenseits“ jeder Art von Größenwahn meinerseits einen deftigen Gegenwind hinblasen würde (okay, ich weiß, dass er gegangen ist und der Osho in mir selbst mir Korrekturen in den Weg stellt). Ich wollte es mal „Osho Noëdo“ nennen, habe aber keinen Bock auf juristische Auseinandersetzungen mit der Gang, welche die Rechte an der Marke für sich beansprucht.

Eventuell gibt es auch wesentliche Aspekte der Aussagen Oshos, die ich nicht mehr teile. Osho hat sehr gegen Ego und „Mind“ (Verstand) gesprochen. Nachplapperer wie Eckhardt Tolle (okay, sein Auftreten ist irgendwie skurril bewundernswert) kopieren das heute, bis man es nicht mehr hören mag. Vielleicht war auch das (der Überdruss) Oshos geheime Intention. Wir sollten uns noch ein wenig mehr Gedanken, oder besser Bewusstsein, darüber machen.

Ich habe es nach meiner Zeit im Ashram gelernt in der Welt erfolgreich zu sein, habe an der Wall Street gearbeitet. Darüber habe ich ein Buch geschrieben, was ursprünglich unter dem Titel „Das Zen der ersten Million“ mehrere Auflagen hatte und nun weltweit als „MoneTao. Ein Geld-Satori“ von Iksha und mir selbst verlegt wird. Die Hauptfrage für mich ist: Wie kann ich eine starke, in dieser Welt erfolgreiche, Persönlichkeit haben oder sein und dennoch den Weg der Egolosigkeit, der Transzendenz, des mystischen Eins-Seins mit Allem gehen?

Ich nahm mal an einem Seminar des verehrten Stephen Gilligan teil, stephengilligan.com. „Love in the face of violence“. Er stellte dar, dass einer der wesentlichen Schritte ist, zwei Wahrheiten gleichzeitig halten zu können. Der Fundamentalist könne das nicht. Der Ästhet könne das. Das hat mich sehr beschäftigt und ich befand, dass Stephen Recht hatte, und dass dieses eines der grundlegenden Themen in der Menschheit ist. Die Überwindung des Fundamentalismus ist nicht nur in der fundamental-religiösen Welt des Islams oder des Christentums ein Thema. Auch Menschen, die einem wissenschaftlichen, atheistischen Weltmodell verhaftet sind, können fundamentalistisch die Existenz einer höheren oder einer feinstofflichen Ebene leugnen, siehe Richard Dawkins oder Daniel Dennett.

Wenn ich zwei Wahrheiten halte, dann kann ich gleichzeitig ein starkes authentisches Ich haben und, wenn dazu Raum und Zeit bestehen, in der Meditation und in der Ekstase dieses loslassen und darüber hinausgehen. Aber das Fliegen braucht eine gesunde Grundlage, eine Basis. Der Vogel, der Phönix, muss zurück kommen können in einen gesunden Körper, einen gesunden Geist, eine stabile Umgebung.

Als erstes wollen wir unsere Innenwelt aufräumen, uns von Einbildungen, Suggestionen, unzulässigen Generalisierungen, negativen Emotionen befreien. Wir brauchen für die Höhenflüge ein gesundes Ich.

Aber wie können wir mit einem Ich, krank oder gesund, die Einheit mit Allem herstellen? Beinhaltet „Ich“ nicht immer eine Grenze, eine Differenzierung in Subjekt-Objekt? Ich denke, dass letztendlich die entscheidende Fähigkeit ist: das Selbst, die Subjektivität mehr oder weniger „opak“ werden zu lassen. Diese „Opakheit“ des Subjekts ist ein Ausdruck, den ich vom deutschen Philosophen Thomas Metzinger in „Subjekt und Selbstmodell“ aufgeschnappt habe. Professor Metzinger ist zwar eher ein Leugner der höheren Dimensionen, aber einiges an seinen Büchern gefiel mir eben. Ansonsten tendiere ich mehr zu dem Panpsychismus („alles ist beseelt“) wie ihn der australische Philosoph David Chalmers vertritt (dessen „The Conscious Mind“ für mich das Buch ist, welches das 3. Jahrtausend eingeläutet hat.)

Religion sagte ich? Ja, aber eine ohne personifizierte Götter weit draußen im Himmel. Wir selbst sind die Götter, die eine Welt erschaffen. Wir können uns auch Götter, Dämonen und Engel erschaffen, wenn wir wollen, wenn es uns nützt. Es kann auch sein, dass es Außerirdische gibt, die uns besuchen und belehren oder bekriegen wollen. Wir wollen offenen Geistes für die Realität sein, sogar ohne, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Letztendlich ist die mir nächste Religion für mich der Zen-Buddhismus. Der große deutsche Philosoph Martin Heidegger meinte, dass seine Existenz-Lehre diesem Zen entspricht und, ja, so ist es wohl. Die Grundlage dieser Sichtweisen ist das Nichts, das NICHTS. Wir leben in einer semiotischen Matrix aus Zeichen, Bezeichnetem und Bezeichnern. Sinn gibt es weil etwas anders ist als etwas Anderes oder anders als der Hintergrund. Der letztendliche Hintergrund ist das Nichts, die Schwärze, die Stille. Da ist absolute Freiheit von Sinn und Bedeutung. Unser menschlicher Verstand flüchtet sich gern in Sinn und Bedeutung, erschafft sich diese um nicht verrückt zu werden.

Wir sollten so weit wachsen mit unserem Bewusstsein, dass wir es aushalten können, dass da kein Sinn ist, dass da einfach nur ein gewaltiges Sein ist, ein ewiges Werden und Vergehen.

Und, hmm, ja ich glaube an Wiedergeburt, wss nicht unbedingt Zen-Weisheit ist. Ich habe Erfahrungen und Erinnerungen aus Vorleben. Vieles macht nur Sinn, wenn es als lange, lange Entwicklung der Seele betrachtet wird. Oh, hat sich da der Sinn wieder eingeschlichen, der Glaube, der esoterisch-spirituelle? Ja, in gewisser Weise. Und wir sind wieder bei der Übung der zwei Wahrheiten: Wie kann ich gleichzeitig für wahr erachten, dass ich eine lange Entwicklung als Seele in vielen Körpern in dieser Welt durchlaufe um über diese hinausgehen zu können und wie gleichzeitig diesen Moment als ohne jeglichen Sinn und ohne jegliche Bedeutung als Alles nehmen, was jemals sein wird?

Vom Hundertsten ins Tausendste, so liebe ich es.

Print This Post Print This Post

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.